Montag, 16. Januar 2012

Mit CC-Musik durchs Jahr 2012



Das Onlinemagazin für Netzmusik Phlow.de hat für 2012 eine schöne musikalische Begleitung eingerichtet. #366DaysOfMusic, 366x (weil es ja ein Schaltjahr ist) gibt es jeden Tag ein neues CreativeCommons-Musikstück zum Streamen und den Link zu der jeweiligen Veröffentlichung, also dem Netlabel wo es wahrscheinlich auch noch mehr vom selben Künstler, der Künstlerin oder der Gruppe zu hören gibt.

Super Sache und ein Grund ein totes Blog mal wieder kurz zu reanimieren. Ob's für mehr reicht wird sich zeigen...

Samstag, 25. Juli 2009

"Milch und Honig" auf ARTE +7


Gestern abend habe ich sie zufällig in der ARTE-Mediathek entdeckt. Zuvor hatte ich noch nichts von dieser 6-teiligen Serie über den Aufbruch europäischer und nordafrikanischer Juden nach Palästina/Israel nach Ende des Krieges und des Holocausts. Die ersten beiden Teile von "Milch und Honig" sah ich bereits und finde die Serie äußerst sehenswert. Also nutzt doch die Gelegenheit und schaut sie euch im Laufe der Woche, in der sie auf ARTE+7 bereitsteht, einmal an.

Sonntag, 31. Mai 2009

Italo Svevo: Zeno Cosini


Meine momentane Lektüre gibt mir den Anlass mal wieder, falls gewünscht, an meinen literarischen, teilnehmenden Beobachtungen teilhaben zu lassen und diesen Blog mit Inhalten zu füllen. Zeno Cosini, ein Roman von Italo Svevo aus dem Jahre 1923. Schon lange stand das Buch bei mir im Regal und ich bin wirklich froh es nun aufgeschlagen und zu lesen begonnen habe. Daher die Empfehlung gleich zu Beginn: Ein wunderbares Buch, bedingungslos empfehlenswert!

Worum geht es: Erzählt wird in interessantem Erzählstil aus der selbstreflexiven Perspektive des Triester Bürgers Zeno Cosini. Im Vorwort kommt ein Psychoanalytiker zu Wort, der als fiktiver Veröffentlicher dieser Aufzeichnungen erscheint, die als Teil der Behandlung des Protagonisten von diesem verfasst wurden und nun nachdem Cosini diese abgebrochen hatte, vom Arzt veröffentlicht werden. Zeno Cosini ist wohlhabender Triester Bürger des Fin de siècle. Mit einem umfassenden Erbe kann er sich als Müßiggänger seinen Liebschaften und eingebildeten Krankheiten hingeben, ohne sich sonderlich um irgendetwas zu sorgen.
Interessant an der Erzählweise ist auch, dass der Antiheld seinen Werdegang nicht chronologisch erzählt, sondern in einzelnen Kapiteln thematisch vorgeht. Zunächst über die Leidenschaft und das Laster des Rauchens, dann das Kennenlernen seiner zukünftigen Gattin und die Umstände der Hochzeit. Anschließend lässt Svevo seinen Helden lange und ausführlich über die Leiden der Liebe zu seiner Gemahlin Augusta und seiner Geliebten Clara berichten um im darauf folgenden Kapitel seine geschäftliche Betätigung im Unternehmen des Schwagers Guido zu erzählen. In diesem Abschnitt bin ich auch gerade, so dass ich noch nicht bis zum Ende berichten kann. Durch die thematische Abhandlung entwirft sich erst nach und nach ein vollständiges Bild der Person und der Entwicklung des Zeno Cosini. In meiner Rowohlt Taschenbuchausgabe wird in einem Vorwort von François Bondy diese Erzählform wegen ihrer zeitlichen Vielschichtigkeit als schwierig bezeichnet. Das kann ich aus eigener Erfahrung nicht bestätigen. Der Roman lässt sich trotz dieses temporalen Wechsels sehr gut lesen und wird gerade dadurch noch zusätzlich interessant.

Zeno Cosini ist eine tragische, skurille und vielschichtige Gestalt. Ein Schwätzer und Angeber ohne großartige Fähigkeiten auf der einen Seite, andererseits aber auch sehr gutmütig und oft liebeswert. Dann erscheint er aber auch wieder kaltherzig und völlig frei von Empathie, wenn er beispielsweise über seine Sicht der eigenen oder anderer Kinder berichtet. Schon das Zustandekommen seine Ehe ist eine peinliche und schräge Komödie. Ins Hause eines Freundes und Mentors eingeführt, wird Zeno mit dessen vier Töchtern bekanntgemacht, von denen drei dem Alter nach als Ehefrauen in Frage kommen. Bereits vor dem Kennenlernen hatte Zeno beschlossen einer dieser Damen den Hof zu machen und diese zu heiraten. So bemüht er sich dann auch um Ada, diejenige in die er nach Entschluss verliebt. Dumm nur, dass sie rein gar nichts von ihm wissen will, und seine ständigen Versuche als geistreich und witzig zu erscheinen nur mit Verachtung würdigt. So kommt es, dass Zeno eines Tages den drei jungen Damen Ada, Alberta und Augusta nacheinander Heiratsanträge macht. Die beiden ersten lehnen ab, nur Augusta die Zeno, im Gegensatz zu seinen Gefühlen für sie, liebgewonnen hatte nimmt den Antrag an und die beiden verloben sich. Allein diese skurille Szenerie macht den Roman wunderbar leicht und zu einem herrlichen Lesevergnügen. Mehrere ähnlich unterhaltsame Episoden werden folgen.

Ein bisschen zäh war mir aufgrund seiner textlichen Länge Zenos ewiger innerer Kampf zwischen der Liebe zu Augusta und der Leidenschaft die er für Clara. Dieses arme aber hübsche junge Mädchen fand in Zeno einen Wohltäter und Liebhaber, er jedoch ist im wesentlichen mit sich selbst und seiner Zerrissenheit beschäftigt. Dass mir dieses Kapitel etwas langatmig erschien mag auch daran liegen, dass ich zwischenzeitlich nur sehr wenig Zeit zum Weiterlesen fand.

Der Abschnitt den ich gerade lese handelt von seiner geschäftlichen Betätigung, die man nur mit einem Lächeln als solche Bezeichnen kann. Zeno und auch sein Schwager Guido, der statt seiner am Ende Adas Ehemann wurde, sind zwei Menschen die keine sonderliche Begabung als Geschäftsmänner besitzen. Ein Kontor und Büro führen die beiden mehr zum Vergnügen und weil Gudio anscheinend der Meinung ist das sei ihrem Stand des höheren Bürgertums gemäß. An dieser Episode wird sehr schön der Übergang vom aristokratischen Ideal des Müßigganges hin zum bürgerlichen des Geschäftsmannes und berufstätigen Lebens parodiert.

Als kurzer Einblick in die Handlung des Romans soll das erstmal genügen. Ich werde ihn weiterlesen um dann vielleicht auch noch einmal über meine Eindrücke zu berichten.

Mittwoch, 2. Juli 2008

Wohlgesinnte Zadie Smith, Sommerpause, oder was?


Ja, ganz so ähnlich sieht es aus! Auf den drei Blogs, die ich in meinem Übermut zu bedienen gedachte (und auch immer noch gedenke) herrscht schon seit ner Weile etwas Stille. Muss auch mal sein! In der Tat hatte mich zwischenzeitlich die Muße etwas verlassen, jetzt im Sommer sowieso. Aber es wird schon wieder einmal was passieren. Muss ja nicht nur des ständigen Postens willens hier schreiben. Lohnt sich also doch, diesen und die beiden anderen Blogs, im RSS-Reader zu belassen.

Von der Schönheit
hab ich übrigens - wer hätte es gedacht! - schon ne ganze Weile durch. Gut war's soviel kann ich sagen. Unterhaltsam, komisch und durchaus auch intelligent, gesellschaftskritisch. Mehr vielleicht ein andermal, wenn ich mir die Handlung wieder etwas genauer ins Bewusstsein hole. Genau diesen Zweck sollte der Blog übrigens primär haben: Mir selbst Gelesenes besser und länger insGedächtnis brennen. Mit ständiger Möglichkeit der Retrospektive, an der bei Interesse auch andere teilhaben können.

Meine zweite literarische Schwarte hab ich jedoch noch immer in der Mangel. Die Wohlgesinnten von Jonathan Littell. Da war ich zwischendurch doch etwas faul. Und außerdem ist das Buch einfach zu schwer zum mitnehmen. Da ich dann doch oft nicht zuhause bin, liegt es eben hier dann, wartet und wartet. Doch nichtsdestotrotz, ich bleibe dran. Erst vor zwei Tagen las ich wieder 30 Seiten...

Neue "leichte" Lektüre ist jetzt seit ein paar Tagen: Kiran Nagarkar, Gottes kleiner Krieger.

Samstag, 19. April 2008

Neues Buch: Zadie Smith, Von der Schönheit

Bin zwar bei Littells Die Wohlgesinnten noch nichtmal ganz bei der Hälfte, habe aber trotzdem vor ein paar Tagen einen weiteren Roman begonnen, der schon seit über einem Jahr wartend bei mir im Regal steht. Und zwar, wie in der Sidebar zu sehen ist Von der Schönheit von Zadie Smith. Vor kurzem übrigens auch als Taschenbuch erschienen.

Die Wohlgesinnten sind einfach eine sehr anstrengende Lektüre, teilweise eine echte Qual, der ich mich nicht immer aussetzen will. Manchmal sehr zäh und schleppend, dann wieder abstoßend grausam und immer wieder geschichtliche Fakten und Taten, die mich dazu veranlassen, das Buch wegzulegen um in historischen Fachbüchern die genaueren Geschehnisse zu erfahren.

Daher der Zweitroman zur Entspannung. Als hätte ich nicht schon genug Bücherstau, allein für die Uni. Haha. Das geht eben dann auch nicht immer. So will ich also auch über den "Entspannungsroman" hier in nächster Zeit mehr oder weniger ausführlich berichten...

Donnerstag, 17. April 2008

Langeweile ohne Internet?

Boah, noch immer noch kein Internet im neuen Heim! Das dauert vielleicht, bis die Telekom sich mal bequemt den Anschluss freizugeben. Unverschämtheit eigentlich. So macht das Bloggen natürlich nur halb soviel Spass, daher auch die doch etwas seltenen Beiträge im Moment.

Ein gutes hat's trotzdem: Internet frisst sehr viel Zeit, die so ein wenig mehr anderen Dingen zukommt. Beispielsweise dem dicken Wälzer den ich hier gerade durcharbeite. Bald gibt's Neues....

Mittwoch, 9. April 2008

Goldhagen über deutsche NS-Mörder


Wie bereits angekündigt möchte ich meine Arbeit an dem Roman auch als Gelegenheit Nutzen, ein bereits seit einigen Jahren wartendes Vorhaben anzugehen: die Lektüre von und Beschäftigung mit Daniel Goldhagens Studie über die Täter des Holocausts.
Max Aue, bevor er zur detailreichen und schockierenden Darstellung, des im letzten Beitrag erwähnten Massakers von Babi Jar übergeht, hatte seine eigenen Überlegungen über die verschiedenen Tätercharaktere angestellt. Sich selbst hatte er dabei im Übrigen zunächst ausgelassen. Um mir selbst die nur schwer erträglichen Szenen dieses Romans „erklären" zu können, will ich nun die wohl umfassendste Studie, die über die Täter des Holocausts existiert, in Auszügen dokumentieren.

Daniel Jonah Goldhagen widerlegt im 15. Kapitel seines Buches mehrere Erklärungsmuster, mit denen, entweder Täter ihre persönliche Schuld zu relativieren oder auch Historiker in der Aufarbeitung des Nationalsozialismus und seiner Verbrechen zu erklären versuchten, was eigentlich schier unmöglich zu verstehen erschien. Außerdem teilt er vier Handlungstypen nach den Kategorien, ob nach Befehl und/oder auf grausame Weise getötet wurde oder nicht.
Er stellt zunächst fest, dass die Deutschen den Juden, nicht nur in Ausnahmefällen, größeres Leid zugefügt hatten, als es den Befehlen nach notwendig wäre (1998: 441). Er wurde häufig sinnlos und zum bloßen Vergnügen gequält, erniedrigt, gefoltert und gemordet. Wie auch in Littells Roman dargestellt, wurden Fotos von den Torturen und Morden gemacht, mit denen stolz geprahlt wurde (1998: 443).
Ein erster Erklärungsansatz war, die Deutschen hätten auf Zwang hin gehandelt, aus Angst vor Bestrafung oder Hinrichtung bei Befehlsverweigerung. Goldhagen stellt ausführlich dar, dass keinerlei Beweise vorliegen, die solche Behauptungen stützen würden, obwohl während der Nürnberger Prozesse umfassend danach gesucht wurde. Dagegen liefert er mehrere Beweise dafür, dass es durchaus möglich war, sich dem Morden zu widersetzten. Kein Deutscher wurde demnach während des Holocaust hingerichtet oder schwer bestraft weil er den Mord an Juden verweigert hätte. Es lasse sich nachweisen, dass Tätern in allen Einheiten die Möglichkeiten einer Versetzung gegeben waren. Für die SS gab Himmler den ausdrücklichen Befehl, denjenigen, die sich den Strapazen nicht mehr gewachsen sahen, die Versetzung zu ermöglichen und sich in die Heimat versetzten zu lassen (1998: 445).
Eine zweite Behauptung, Menschen und insbesondere die Deutschen würden zu starkem Befehlsgehorsam neigen, lässt sich entkräften, da während der Weimarer Zeit durchaus subversive Strömungen vorhanden waren. Während der NS-Zeit wurde Gehorsam gerade dahingehend verweigert, dass gegen ausdrücklichen Befehl an der Folter und dem Mord an Juden teilgenommen wurde (1998: 446ff)! Gegen kirchenpolitisch Maßnahmen und das „Euthanasieprogramm" gab es Widerstand und Protest, wieder nicht auch gegen den Judenmord (1998: 448)?
Auch die Erklärungsansätze, die Deutschen hätten aus Karrierestreben „mitgemacht", die Vernichtungsmaschinerie wäre angeblich so fragmentiert, dass Einzelne den Umfang ihrer Taten gar nicht erfassen könnten, sowie den Versuch, die breite Mittäterschaft aus Gruppenzwang bzw. Gruppendruck zu erklären, widerlegt Goldhagen. Wäre die überwiegende Bevölkerung gegen die Judenvernichtung, würde der Gruppendruck schließlich dieser entgegenwirken und nicht andersherum(1998: 449)!

All diese konventionellen Erklärungsansätze würden das Wesentliche, das Spezifische des Holocaust weglassen, und die Taten der Deutschen so behandeln, als ob jedes andere Volk in ähnlicher Situation genauso gehandelt haben könnte. Jedoch sei gerade das Spezifische, die Kultur, Gesellschaft und Politik, die Identität der Deutschen als Volksgemeinschaft wesentlich zum Verständnis. Außerdem sei insbesondere auch die Identität „der Juden", deren Bild im Bewusstsein der Deutschen, entscheidend.
Nach Goldhagen lasse sich die Brutalität, die Grausamkeiten, die „ganz gewöhnliche Deutsche", auch ohne Befehl und nicht in Ausnahmen sondern in unzähliger Gleichartigkeit immer und immer wieder, im Umgang mit den Juden zeigten, nur erklären über einen „tiefsitzenden Haß, wie ihn kaum jemals ein Volk einem anderen gegenüber empfunden haben dürfte" (1998: 456).

„Zu einer solchen Interpretation gelangt man nur, wenn man von einem dämonisierenden Antisemitismus ausgeht, der in Deutschland eine bösartige rassistische Form angenommen und die kognitiven Modelle der Täter sowie der deutschen Gesellschaft insgesamt bestimmt hat. Die deutschen Täter waren demnach mit ihrem Tun einverstanden. Es handelte sich um Männer und Frauen, die ihren kulturell verwurzelten, eliminatorisch-antisemitischen Überzeugungen getreu handelten und den Massenmord für gerecht hielten" (1998: 460).


Die Deutschen waren also, nach Goldhagen, so sehr von ihrer völlig irrationalen Wahnvorstellung, „die Juden" seien tatsächlich der Inbegriff des Schlechten und Bösen überzeugt, dass sie in ihnen nicht mehr die Menschen als Opfer sondern nurmehr die zwingende Notwendigkeit ihrer Vernichtung zum Schutz des eigenen Volkes sahen. So waren die Juden also völlig den sonst geltenden moralischen Grundsätzen enthoben, die „Vergeltung" als gerechte Strafe für Dinge, die allein im kranken Bewusstsein der Deutschen Antisemiten existierten (1998: 465).

Goldhagen gibt als Beispiel für dieses umfassende kognitive Modell der Deutschen, die Gerichtsaussage eines Täters bei den Nürnberger Prozessen wieder: „Die Männer der Einsatzkommandos haben wirklich geglaubt, daß der Bolschewismus, der Deutschland in einen apokalyptischen Krieg verwickelt habe, ‚eine jüdische Erfindung darstelle und nur den Interessen des Judentums diente’" (1998: 460). Eine Aussage, der Max Aue in Littells Roman widerspricht. Dort ist an mehreren Stellen davon die Rede, dass Mitglieder der SS sehr wohl davon wüssten, dass der Bolschewismus nicht mit dem Judentum übereinstimme.
So wird für Goldhagen, das was in jeder Hinsicht nur als völlig perverser, irrationaler Sadismus erscheint, ein „rationales" Produkt des eliminatorischen Antisemitismus der Deutsche. Ein „Charakteristikum des Völkermords […] ist die Bereitwilligkeit, mit der die Deutschen, ob Täter oder nicht, verstanden, warum man von ihnen die Tötung der Juden erwartete" (1998: 472).

Soweit Goldhagens Analyse des deutschen Bewusstseins zur NS-Zeit bisher. Es handelt sich lediglich um eines von 16 Kapiteln aus einer ausführlichen Studie. Für mich selbst sind hier noch viele Fragen offen, also werde ich weiterlesen und hoffe so ein paar Antworten zu finden. Beispielsweise ist es - aus meiner heutigen Perspektive - schwer vorstellbar, wie wirklich eine gesamte Gesellschaft, oder zumindest ein so überwältigender Teil davon, dass die restliche Minderheit kein Gewicht im Geschehen und der späteren historischen Aufarbeitung haben konnte, derart, in eine zutiefst irrationale und erlogene Ideologie konditioniert werden konnte. Wie konnte es dazu kommen? Ich hoffe in den ersten drei Kapiteln von Goldhagens Buch einige Hinweise zu bekommen.

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Goldhagen, Daniel J. (1998): Hitlers willige Vollstrecker

Mittwoch, 2. April 2008

Die Wohlgesinnten, Lesetagebuch - Teil 3

[zurück zu Teil 2]


Vor zwei Tagen bin ich in meiner Lektüre zunächst auf Seite 159 stecken geblieben, nachdem auf den letzten 100 Seiten – wie soll das nur auf den folgenden 1200 Seiten weitergehen? – pausenlos aufs grausamste massakriert und gemordet wurde. Von den Deutschen begründet mit den perfidesten Lügen und Verleumdungen.

Eins ist jedenfalls schon jetzt klar: Es hat überhaupt keinen Sinn, diesen Roman in der sonst üblichen Weise einer knappen Inhaltszusammenfassung darzustellen. Jedenfalls nicht in der relativen Vollständigkeit die ich sonst gewählt hatte. Andererseits glaube ich trotzdem schon zu erkennen, dass der Roman nicht jenes vernichtende Urteil verdient hat, welches ein Großteil der Kritikerinnen und Kritiker des deutschsprachigen Feuilletons dafür hatten. Die ernsthafte Beschäftigung damit kann sehr wohl lohnend und nützlich sein!

Wie gesagt, ich hatte meine Lektüre unterbrochen. Und zwar um mich nach dieser Aneinanderreihung von Grausamkeiten, gespickt mit Aues perversen Gedankengängen, ein wenig mit „Sekundärliteratur“ zu beschäftigen. Auslöser war der, vom zurückgekehrten Standartenführer Bobel überbrachte, Befehl, ab jetzt seien alle Juden zu töten (S. 143f). Gemeint war: nicht nur die Männer sondern auch Frauen und Kinder! Außerdem Aues Einteilung der Mörder in drei verschiedene Charaktertypen (S. 153).

Also zog ich Michael Burleighs Gesamtdarstellung des Nationalsozialismus und Daniel J. Goldhagens Hitlers willige Vollstrecker aus dem Bücherregal um mich ein wenig mit den historischen Fakten zu beschäftigen. Zwar wurde in einigen Rezensionen bereits auf Littells akribischen Umgang mit diesen hingewiesen, ich möchte aber die Arbeit an den Wohlgesinnten dazu nutzen, mich selbst tiefgreifender mit den Verbrechen der Nazis zu beschäftigen.

Die Lektüre der Abschnitte „Verbrechen ohne Krieg“ aus dem siebten und „Der Mord an den sowjetischen Juden“ aus dem achten Kapitel von Burleighs Buch bestätigt die Aussagen der Rezensenten. Burleigh schreibt, von der Propagandalüge, die den Bolschewismus den Juden zuschreibt. Allerdings auch, dass diese Lüge von vielen Tätern als das erkannt wurde was sie war. Auch herrschten keineswegs immer strikte Weisungen, wie mit der jüdischen Bevölkerung zu verfahren (wie zynisch das klingt, angesichts dieser Verbrechen!) sei. Die Einsatzkommandos hatten durchaus einige Interpretationsfreiheit bei den Befehlen.

SS und Wehrmacht arbeiteten, nach Burleigh, an der Ostfront oft Hand in Hand. Also von wegen „saubere Wehrmacht“, wie es in der Vergangenheit immer wieder als Argument der Schuldabweisung gebraucht wurde.



Seit ich den oberen Abschnitt geschrieben habe sind ein paar Tage vergangen, den ich, da ich im Moment zuhause kein Internet habe, bisher noch nicht veröffentlicht hatte. Mittlerweile habe ich Die Wohlgesinnten ein wenig weitergelesen und habe herausgefunden, wie es auf den folgenden Seiten weitergeht.

Nachdem von der Roten Armee (?) im eingenommenen Kiew Sabotageakte verübt wurden, beginnt die deutsche Propagandamaschine wieder zu arbeiten. Juden sollen die Drahtzieher des Bolschewismus sein und daher auch die Schuldigen für die Brandanschläge. Was daraus wird ist das grausamste und erschütternste was ich jemals gelesen habe. Von den 150.000 in Kiew lebenden Juden sollen 50.000 in einer „Vergeltungs- und Vorbeugemaßnahme“ liquidiert werden. Es handelt sich um das am 19. September 1941 verübte Massaker von Babyn Jar. Die Durchführung dieser völlig surreal wirkenden Szenerie wird in voller Bandbreite und in all ihrer Perversität geschildert. Ob die Beschreibung solch einer Szene wirklich nötig war, um zu zeigen welch fürchterliche Verbrechen vom deutschen Nationalsozialismus begangen wurden, ich weiß es nicht!

Während die gutgläubigen Opfer der Lüge einer vorgesehenen Umsiedlung glauben und so freiwillig in die Arme Tätern gehen, betäuben sich diese im Rum, um dann zu morden und zu schlachten.

Vor ein paar Wochen habe ich Jean Amérys Essay Jenseits von Schuld und Sühne als Hörbuch gehört, worin er, als er von dem Gebäude in Belgien berichtet in dem er vom SD verhört und gefoltert wurde, den Satz schreibt: „Geschäftszimmer, jeder ging an sein Geschäft und ihres war der Mord.“


"Unermüdlich, methodisch fuhr der von uns eingerichtete gigantische Apparat damit fort, diese Menschen zu vernichten. Es schien nie aufzuhören. Seit den Anfängen der menschlichen Geschichte war der Krieg stets als das größte aller Übel wahrgenommen worden. Doch wir, wir hatten etwas erfunden, neben dem der Krieg richtig und rein erschien, etwas, dem schon jetzt viele dadurch zu entgehen suchten, dass sie sich in die elementaren Sicherheiten von Krieg und Front flüchteten. Selbst die wahnwitzigen Schlächtereien des Ersten Weltkriegs, die unsere Väter und einige unserer älteren Offiziere miterlebt hatten, erschienen fast sauber und gerecht gegenüber dem, was wir in die Welt gebracht hatten. Ich fand das außerordentlich. Mir schien es etwas ganz Entscheidendes zu sein, etwas, was mir, wenn ich es verstünde, erlauben würde, alles zu verstehen und mich endlich auszuruhen."

Dies, Aues Gedanken als er sich mit warmem Tee und Zigarette eine kurze Unterbrechung in seinem "Geschäft" gönnt.

Montag, 24. März 2008

Die Wohlgesinnten in der Blogosphäre

Hätte ich mir eigentlich denken können! Eben habe ich mal die Google-Blogsuche mit dem Titel des Romans bemüht um zu sehen was andere schreiben, und siehe da, noch einige andere verfolgen gerade das gleiche Projekt. Müssen einem aber auch alles nachmachen! ;)

Hier erstmal eine kleine Auswahl. Lesen muss ich die einzelnen Beiträge selbst noch, daher noch keine inhaltlichen Kommentare an dieser Stelle:

Der Blog Die Dschungel. Anderswelt. beginnt seine Lesenotate mit diesem Beitrag. Bei Salomes Bücher beginnt Esther hier ihr Lesetagebuch. RomArtLog liest nicht selbst, verweist aber in zwei Beiträgen auf die verschiedenen Pressereaktionen. Ein positives Urteil über den Roman kann man auf dem Blog im blickfeld lesen.

Lesetagebuch, Max Aue trifft Thomas (S. 79)

Da der Roman Die Wohngesinnten sicherlich wesentlich mehr Einträge erfordert, als die bisher besprochenen Bücher, verzichte ich darauf, immer alle vergangenen Beiträge zu verlinken. Lediglich einen Verweis zum letzten und am Ende zum folgenden wird es geben. Zwischendurch, oder nach der gesamten Bearbeitung gibt's dann ein zusammenfassendes Inhaltsverzeichnis!

Es ist eklig und makaber! Während nebenan vergewaltigt, gefoltert und gequält wird, sitzt Max Aue mit einem Hauptmann beim Kaffeeplausch oder trifft sich mit anderen zu gutem Essen und Wein, wobei sie über den "gerechten Volkszorn" lachen (S. 93). Gemeint sind die Massaker an Juden und Bolschewiken zu denen die Ukrainer von den Deutschen angestachelt wurden. Hier trifft die Aussage, das Werk sei pornographisch, ganz gut!

Max Aue trifft Thomas, den er aus Berlin kennt und mit dem er gemeinsam in Frankreich war. Am Verhältnis der beiden lässt sich Aue ein wenig charakterisieren. Er wird als ehrlich und pflichtbewusst dargestellt. Ein Naivling, der seinen Dienst gut tun will und nicht damit rechnet, dass "man augerechnet Juristen auswählen würde, um Menschen ohne Prozess zu umzubringen" (S. 88). Hat nicht Max Aue im Prolog noch gesagt, er wolle keine Rechtfertigung und Entschuldigung seines Handelns abgeben?
Der Antisemitismus, so vermittelt es Littell, wird bei ihm rein durch der Propaganda seiner Vorgesetzten geweckt, da den Juden für alle möglichen Dinge die Schuld gegeben wird. Solche Züge verstören mich als Leser. Einerseits weiß ich, dieser Mensch ist ein skrupellloser Massenmörder, andererseits lese ich seine Geschichte, immerzu aus seiner persönlichen Perspektive, komme also gar nicht umhin mit seinen Augen zu sehen.

Thomas, der alte Kamerad, dessen Erscheinen den Icherzähler zu einem Rückblick veranlasst, ist nichts anderes als eine karrierefixierte Nazisau! Er hat keine Probleme mit der Wahrheit, schreibt seinen Bericht über Frankreich, anders als Aue, so wie Heydrich ihn gerne zu hören bekommt. Dafür wird er mit Beförderungen und "guten" Posten belohnt! Später holt er dann Aue für den Russlandfeldzug wieder ins Boot. "Du wirst sehen, es wird lustig." sagt er zu ihm. Lustig!? Aue, in seiner postfaschistischen Reflektion: "So vergrößert der Teufel sein Reich, so und nicht anders." (Beides S. 88). Auch darin wieder ein trickreicher und professioneller Griff des Autors Littell, dem Leser einen Funken Sympathie für den Mörder zu suggerieren.

Max Aue bewundert Thomas, fühlt sich zwar manchmal verletzt von dessen Zynismus, andererseits empfindet er im auch häufig erfrischend. Das übrigens, Aues Gedanken, als Thomas ihm kurz zuvor über die tatsächlichen Umstände der Pogrome aufgeklärt hatte. Thomas Hauser hatte er kennengelernt, als er in Berlin beinahe wegen seiner Homosexualität Probleme bekommen hatte. Thomas musste ihn nur etwas erpressen, ihm die bevorstehenden Unannehmlichkeiten darlegen, und Aue entschloss sich zum Eintritt in den SD.

[weiter zum 3. Teil]

Sonntag, 23. März 2008

Top 100 der Musikvideos


Markus Kavka präsentiert im Magazin Zuender der Zeit seine Top 100 der Musikvideos, die man sich auch alle auf YouTube anstehen kann. Sehr schöne Sammlung! Viel Spaß beim gucken...

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Bildquelle: www.zeit.de

Die Wohlgesinnten, Lesetagebuch eröffnet!

Über kleine Umwege, die mich auch durch Charlotte Roches Feuchtgebiete führten, beginne ich nun endlich, wie versprochen, mit der Lektüre von Jonathan Littells vieldiskutiertem Roman. Genauer gesagt, ich habe bereits vor drei Tagen damit begonnen. Das sind dann die beiden aktuellen Skandalromane hintereinander. Freilich Skandale ganz verschiedener Art!

Ich bin mir noch nicht ganz sicher, in welcher Form ich mein Lesetagebuch in diesem Fall gestalten werde. Sonst hatte ich immer kurz den Inhalt wiedergegeben und dazwischen meine persönlichen Eindrücke und Leseerfahrungen platziert. Das ist zum Einen wegen des mächtigen Umfangs von Littells Roman schwierig. Vor allem aber, weiß ich nicht, ob ich, angesichts der schrecklichen Verbrechen, die in dem Buch minutiös geschildert werden, und der Tatsache, dass der Protagonist selbst einer der Verbrecher und Mörder ist, mit dieser, gewohnten Form der Darstellung einverstanden sein kann und ob sie mir sinnvoll erscheint. Ich denke da werden sich einige Konflikte auftun. Trotzdem möchte ich das Buch behandeln. Als literarisches Werk, aber auch in Bezug auf die Verbrechen des Holocaust, die hier als fiktive Erzählung erscheinen. Ich werde es als work in progress selbst erfahren müssen.

Der Roman Die Wohngesinnten beginnt mit einer Vorrede, von Littell Toccata genannt, des altgewordenen Max Aues. Wie in einem einzigen, teilweise wirren Gedankenstrom berichtet der Icherzähler, wieso er jetzt im Alter, wo er doch beruflich gefestigt und unbescholten, seinen Posten in einer französischen Fabrik hat, diesen Lebensbericht schreiben möchte. Er will sich nicht entschuldigen, nicht rechtfertigen, nicht erklären, das sagt er, doch genau das versucht er. Indem er jede persönliche Schuld von sich weißt, darauf besteht, dass jeder andere auch so gehandelt hätte. Er schweift über die Philosophie, über seine pedantischen Rechnereien, wie viele Tote der Krieg pro Woche, pro Tag, pro Stunde und Sekunde gefordert hatte, hin und her, persönliche Erfahrungen gemischt mit allgemeinem Gerede. Und immer wieder: Ich bin wie Ihr!

Jetzt werden wir LeserInnen hineingeworfen in das Kriegsgeschehen der Ostfront, und mit uns, so erscheint es, einige junge und unerfahrene SS-Offiziere unter denen sich Max Aue befindet. Nahe bei Lemberg, zu Beginn des Kriegs gegen die Sowjetunion, soll ihnen das Töten gelehrt werden. Schon hier, erschreckende, grausame Szenen: Ein Massaker hat stattgefunden, ob von der Sowjetarmee oder der Wehrmacht verübt, die Juden sollen es gewesen sein, und für jeden Toten soll einer erschossen werden. Zu zweit, kein Schütze soll sich persönlich verantwortlich fühlen. Die will auch keiner übernehmen. Als der Standartenführer Bobel im Fieber, betrunken ausrastet und ins Krankhaus gebracht wird, will keiner das Kommando übernehmen.
Für den "Vergeltungsakt", die Erschießung von über tausend Menschen, sollen diejenigen genommen werden, die sich freiwillig auf die Plakataushänge melden, die zur Versammlung der ansässigen Juden aufrufen. Max Aue findet das ungerecht! Die Feiglinge kommen davon, diejenigen aber, die guten Willens "den Worten des Deutschen Reichs glaubten" würden sterben! Auch, dass er selbst den Befehl erhalten hatte, nach Lemberg zu fahren um beim Brigadeführer Befehle zu empfangen, wurmt ihn, da er sich seiner Verantwortung nicht entziehen möchte. Wenn Erschießungen stattfinden sollen, will er sich der Pflicht stellen!
Dagegen fährt er am frühen Morgen nach Lemberg, das wenige Tage zuvor von der Wehrmacht eingenommen wurde. Blutige Szenen werden dargestellt, Menschen werden gequält und vergewaltigt, Häuser wurden geplündert. An einer armendischen Kirche vorbekommend, bittet ihn ein Priester um Hilfe, da Ukrainer über in der Kirche Schutz suchende Juden hergefallen sind. Aue tut nicht viel, jedoch erreicht der Priester mit seiner Anwesenheit das Ende der Torture. Für die meisten zu spät. Aue hilft einen schwer verletzten Menschen auf eine Bank zu legen, spricht kurz mit dem Priester, dann wendet er sich ab und geht weiter.

[weiter geht's hier]

Freitag, 14. März 2008

So viel Zeit, vorbei....

Nun mal wieder, soviel Zeit muss sein, zurück zu Frank Goosens Roman. Hier geht’s zum ersten und zum zweiten Teil meiner bisherigen Lesenotizen.


Anscheinend hatte ich, ganz unbewusst, beim letzten Mal meinen Lese- und Berichtstopp genau an der richtigen Stelle gemacht. Zumindest für mein persönliches Empfinden. Zwar war auch vorher die Story interessant und unterhaltsam, aber ich konnte und wollte doch nicht ganz verbergen, dass es mir im ganzen doch ein bisschen zu sehr inszeniert und gekünstelt wirkte.


Genau an der Stelle jedoch, an der ich nach meinem Umzug das Lesen wieder aufgenommen hatte (es war Kapitel 25) gewinnt der Roman noch mal richtig an Fahrt und wird im letzten Drittel ziemlich toll. Seltsam eigentlich! Ich war bisher der Ansicht, wenn die ersten 100 Seiten es nicht packen wird es auch der Rest nicht schaffen. Obwohl ich trotzdem leider zu oft dazu neige, etwas Angefangenes auch zu Ende bringen zu wollen. Also, beim Lesen von Romanen, woanders kann standhafte Ausdauer doch ziemlich hilfreich sein. Nun bei der Fülle von Romanen frage ich mich oft, wieso ich eigentlich noch immer an demjenigen lese, der mich doch schon seit Tagen quält! Ganz schön mutig Herr Goosen! Ich kann nur allen empfehlen in diesem Fall, auch wenn es einigen auf den ersten Seiten ähnlich gehen mag wie mir, weiterzulesen, das Ende wird sich lohnen. Für mich jedenfalls. Ich wäre froh dazu auch die Meinung von anderen zu hören.


Und woran liegt’s? Geändert hat sich doch eigentlich nicht viel. Noch immer versuchen ein paar Mittvierziger mittels einer Rockband ihre verblasste Jugend wieder zu beschwören. Aber genau das wird eben jetzt auch im Roman zum Thema. Das genau dieses zurückholen der Jugend eben so nicht geht. Und so werden die Jungs dann doch noch authentisch. Rainer bekommt von seinem Sohn David eine Belehrung, dass das alte Rocker-Shirt aus Teeny-Zeiten gar nicht geht, und sieht es ein.
Kurz darauf die ersten Auftritte. Alles nur Übung für den einen Großen: Das Klassentreffen! Aber egal! Der erste läuft gleich wie geschmiert. Was nicht an der Qualität der Musik liegen muss, sondern viel mehr an der Dumpfheit der Bespielten. Ein Tennisclub erhält die Ehre! Aber immerhin! Bulle landet gleich ganz schwer bei einer Dame namens Angelika und fängt mit ihr was an. Nicht ohne Schwierigkeiten, da noch immer Schuldgefühle gegenüber seiner an Krebs gestorbenen Frau an ihm nagen.
Mittlerweile hat sich bei Konni zuhause – der übrigens anders als zuvor einmal vermutet katholische Religion und Bio unterrichtet. Mit Deutsch lag ich also daneben. – eine Rocker-WG entwickelt. Thomas der Ärger mit seiner Freundin hatte, Rainer, nachdem er seine Frau nun doch wirklich mit einer anderen betrügt und natürlich Ole. Konni übrigens, angetrieben durch sein gestärktes Ego nach dem ersten Auftritt, schnappt sich seine Kollegin Ursula und hat damit auch wieder was am Laufen. So tut sich bei fast allen etwas in der Liebe. Allen bis auf Ole. Der hat anscheinend ohnehin mehr davon anderen beim Leben zuzusehen als selber mitzuspielen.


Eines ist jedoch entscheidend und hier liegt auch der Grund, weswegen mir das letzte Drittel so gut gefällt: Die Charaktere werden gerade jetzt am Ende richtig lebendig, echt und authentisch. Jeder einzelne von ihnen erhält ein Gesicht und wird damit sympathisch. Konni, der mutlose Lehrer, dem die Band neue Kraft gibt. Rainer und Bulle, die beiden eher starken und gefestigten Persönlichkeiten in der Runde lösen sich von vergangenem. Bulle nimmt Abschied von seiner verstorbenen Frau und Rainer löst sich aus einer Beziehung die schon lange zerstört war.

Thomas ist ein unsicherer Charakter, ähnlich wie Konni. Er fühlt sich ohnehin ein wenig am Rande, da er jünger ist als die anderen und viele Erinnerungen nicht mit ihnen teilt. Getrennt von seiner Freundin und beruflich erfolglos, verliert er zunächst alle Kraft. Auch die Band ist für ihn nicht der Antriebsmotor, anders als bei den anderen. Erst als Corinna am Ende wieder auf ihn zugeht – er selbst hatte sich das zuvor nicht getraut – gibt ihm das die Kraft wieder zu schreiben. Und Ole? Er ist der verschlossenste Typ. Erst ganz am Ende wird ein Geheimnis um ihn Preis gegeben, das schon seit Jahren an ihm fraß und ihn mit Schuldgefühlen plagte.


Ja und was noch: Ach ja, der Titel und damit auch irgendwie das Motto des Romans erhält in diesem starken letzten Drittel mächtig Rückenwind. So bedauert Angelika So viel Zeit die sie an der Seite eines anderen verbrachte. Brigitte dagegen hat Angst vor So viel Zeit die ihr noch bleibt, jetzt da sie von Rainer betrogen und verlassen, nurmehr als Mutter, anstatt als Frau, im Leben zu stehen meint. Und auch für die Jungs selbst wird So viel Zeit zunehmend zum Thema. Das wird ihnen spätestens beim Klassentreffen endgültig klar. Ziemlich fremd sind ihnen viele andere, auf deren Wiedersehen sie sich zuvor gefreut hatten, geworden. Wen wundert’s? Wohl eher die übliche Erfahrung der meisten Klassentreffen.

Fazit: So viel Zeit ist es nicht die man mit dem Roman verbringen muss. Er liest sich sehr gut und schnell. Wenn man sich denn die Zeit dafür nimmt. Wie ich anhand meiner Beiträge hier sehe brauchte ich einen ganzen Monat dafür. Wie gesagt, den Anfang fand ich etwas schleppend und konstruiert, jedoch macht das Ende richtig Spaß. Also diesmal am Ball bleiben, es lohnt!

Die Einheit der Projekte

Vor einiger Zeit hatte ich mir mal ein paar Gedanken übers Bloggen und darüber wie es hier weitergehen soll gemacht. Um ein bisschen mehr Struktur und thematische Ordnung zu erhalten, habe ich mich entschieden das ganze auf mehrere Projekte zu verteilen.


Das ist der eine Grund, ein anderer ist, dass ich auch mit anderen Anbietern Erfahrungen sammeln wollte um mit einen Überblick über die unterschiedlichen Features zu ermöglichen. Gewagt, mögen vielleicht einige denken, wo doch viel frequentierte und häufig aktualisierte Blogs meist nicht nur von einem, sondern von mehreren Verfassern mit Inhalten gefüttert werden. Wie will ich es alleine schaffen auf mehren Blogs ständig neues zu schreiben, was sicherlich wichtig wäre um im Ranking der Blogsphäre einen Platz an der Sonne zu erhalten.

Doch mein Anspruch ist eben ein anderer. Ich schreibe daher vielmehr in recht loser Reihenfolge, mal hier mal dort, für mich selbst und alle Interessierten. Nicht auf die Häufigkeit der Einträge kommt es an. Dank verbesserter Suchmaschinen, die sich aufs Suchen in Blogs spezialisieren steigt außerdem die Hoffnung, dass auch nach längerer Zeit ein bestimmter Eintrag zu einem Thema bei Interesse noch gefunden wird.


Worum handelt es sich nun? Die Teilnehmenden Beobachtungen, der Blog auf dem wir uns hier befinden, soll, wie wohl in der letzten Zeit schon klar geworden ist, thematisch dem kulturellen Leben gewidmet sein. Natürlich nicht dem gesamten, sondern lediglich dem kleinen Teil den ich mir aus der Masse picke und für kommentierenswert empfinde. Die Auswahl spiegelt teilweise mein Interesse, teilweise ist sie sicherlich auch zufällig. Denn wie könnte ich auch nur, in dem auf mein Interesse stoßenden Teil des Ganzen, irgendeine Vollständigkeit erreichen? Ich möchte zunächst kommentieren, freue mich aber sehr über jede Diskussion die sich ergibt, hier und im Kontakt mit anderen Blogs.


Daneben habe ich auf Wordpress zwei Blogs eingerichtet. Auf diesem hier, wollte ich zunächst einen Raum schaffen, um meine Bookmarks bei delicious über den knappen Raum der dortigen Textbox hinaus zu kommentieren und vielleicht sogar diskutieren. Das werde ich auch sicher tun, daneben aber sollen dort ab sofort auch alle weiteren politschen und gesellschaftlichen Themen des Tagesgeschehens kommentiert werden, die auf mein Interesse treffen.


Der zweite, Schichtstufen, bis jetzt noch eher spärlich bepostet, soll spezieller den – im weiteren Sinne – geographischen und/oder wissenschaftlichen Themen vorbehalten sein. Ähnlich wie auf diesem hier, will ich dort Bücher besprechen und zusammenfassen. Eigene Essays zu verschiedenen Themen sowohl physischer als auch sozialwissenschaftlicher Geographie. Aber auch all das, was mich aus anderen Richtungen interessiert. Politik ganz sicher, Soziologie, Ökologie, Philosophie und was auch immer.


Hört sich verwirrend an? Hm, ich hoffte eigentlich ein bisschen mehr Überblick zu bekommen. Nur werden sich sicherlich oft auch Beiträge thematisch überschneiden. Die werde ich dann spiegeln, oder jedenfalls verlinken. Ist doch super, immerzu fleißig für mich Selbst zu werben! Vorerst bleibt es bei dieser Ordnung, ich werde sehen wie es sich entwickelt. Ein Projekt ist ja auch immer ein Versuch. Zu finden sind die beiden anderen Blogs ab sofort in meiner Blogroll. Viel Spaß beim Lesen!

Mittwoch, 5. März 2008

Kurzer Zwischenstopp

Da ich gerade umgezogen bin, für die nächsten zwei Wochen noch ohne Internet und ohnehin noch ziemlich im Chaos wohne, gibt's wohl in den nächsten Tagen erstmal nix. Ab nächster Woche ist dann auch noch ganz fix eine Hausarbeit für Ethnologie zu schreiben. Mal sehen wie oft ich in der Zeit hier posten werde. So viel Zeit werde ich zwischendurch bestimmt noch fertiglesen, Die Wohlgesinnten dagegen werden wohl bis danach ausharren.